Schwangerschaft 27. Juni 2026 Dr. med. Marcus Fischdick

Paracetamol in der Schwangerschaft: Neue Studie nimmt vielen Schwangeren die Sorge

Pregnant woman holding glass of water and paracetamol pill with medication box visible on table

Kaum eine Frage begegnet mir in der Schwangerschaft häufiger als diese:

„Darf ich Paracetamol überhaupt einnehmen?"

Viele werdende Mütter haben gehört, dass Paracetamol möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für ADHS oder Autismus beim Kind in Verbindung gebracht wird. Entsprechend groß ist oft die Unsicherheit – selbst dann, wenn starke Schmerzen oder hohes Fieber behandelt werden müssten.

Eine neue, sehr große wissenschaftliche Untersuchung liefert nun weitere wichtige Erkenntnisse und ordnet frühere Studien besser ein.

Warum Paracetamol überhaupt diskutiert wird

Paracetamol gehört weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Schmerzmitteln während der Schwangerschaft.

In den vergangenen Jahren berichteten einige Beobachtungsstudien über einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Einnahme während der Schwangerschaft und späteren neurologischen Entwicklungsstörungen wie:

ADHS
Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)

Diese Ergebnisse sorgten verständlicherweise für große Verunsicherung.

Allerdings gilt: Ein statistischer Zusammenhang bedeutet noch nicht automatisch, dass ein Medikament tatsächlich die Ursache ist.

Was zeigt die neue Studie?

In einer der bislang größten Untersuchungen wurden über zwei Millionen Schwangerschaften ausgewertet.

Zunächst bestätigten sich auch hier die bekannten Beobachtungen: Kinder von Frauen mit häufiger Paracetamol-Einnahme schienen etwas häufiger an ADHS oder einer Autismus-Spektrum-Störung zu erkranken.

Doch anschließend betrachteten die Forschenden Familien mit mehreren Geschwistern genauer.

Dabei wurde verglichen, ob sich Geschwister unterschieden, wenn nur während einer Schwangerschaft Paracetamol eingenommen wurde.

Das Ergebnis war bemerkenswert:

Nach Berücksichtigung familiärer Einflüsse ließ sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Paracetamol und ADHS oder Autismus mehr nachweisen.

Warum frühere Studien möglicherweise falsche Zusammenhänge gezeigt haben

Ein wichtiger Punkt ist die sogenannte Verwechslung von Ursache und Begleitfaktoren.

Frauen nehmen Paracetamol nicht ohne Grund ein. Häufig bestehen während der Schwangerschaft:

  • Infektionen
  • Fieber
  • starke Schmerzen
  • Entzündungen

Auch diese Erkrankungen selbst können die Schwangerschaft beeinflussen.

Hinzu kommen weitere Faktoren wie:

  • genetische Veranlagung
  • familiäre Belastungen
  • Umweltfaktoren
  • unterschiedliche Lebensgewohnheiten

Genau diese Einflüsse lassen sich in klassischen Beobachtungsstudien oft nur unvollständig berücksichtigen.

Pregnant woman looking at ultrasound image with healthcare provider in medical office

Bedeutet das, dass Paracetamol völlig ungefährlich ist?

Nein.

Auch wenn die neue Studie beruhigende Ergebnisse liefert, gilt weiterhin: Kein Medikament sollte während der Schwangerschaft ohne medizinische Notwendigkeit eingenommen werden. Das betrifft auch Paracetamol.

Grundsätzlich sollte immer gelten:

  • nur wenn erforderlich
  • möglichst in der niedrigsten wirksamen Dosierung
  • nur so lange wie nötig
  • nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt

Warum unbehandeltes Fieber ebenfalls Risiken birgt

Manchmal ist die Sorge vor Medikamenten größer als die Sorge vor der eigentlichen Erkrankung.

Dabei können beispielsweise:

  • hohes Fieber
  • starke Schmerzen
  • schwere Infektionen

ebenfalls Auswirkungen auf Mutter und Kind haben.

Deshalb muss immer individuell abgewogen werden, ob eine Behandlung sinnvoll ist.

Was empfehlen Frauenärztinnen und Frauenärzte heute?

Nach aktuellem medizinischem Kenntnisstand gilt Paracetamol weiterhin als das Schmerzmittel der ersten Wahl während der Schwangerschaft, wenn eine medikamentöse Behandlung notwendig ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Beschwerde sofort mit Medikamenten behandelt werden sollte.

Zunächst sollte immer geprüft werden:

  • Woher kommen die Schmerzen?
  • Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten?
  • Ist eine ärztliche Untersuchung notwendig?

Mein Rat als Frauenarzt

Die aktuelle Studienlage ist insgesamt beruhigend. Sie spricht dafür, dass viele der früher vermuteten Zusammenhänge zwischen Paracetamol und neurologischen Entwicklungsstörungen wahrscheinlich durch andere familiäre oder gesundheitliche Faktoren erklärt werden können.

Dennoch bleibt mein Rat unverändert: Nehmen Sie Medikamente während der Schwangerschaft niemals aus Gewohnheit ein – aber verzichten Sie auch nicht aus Angst auf eine notwendige Behandlung.

Gemeinsam lässt sich in fast allen Situationen eine sichere und verantwortungsvolle Lösung finden.

German notebook with study notes about paracetamol in pregnancy, including checkmarks and a bar chart with green checkmark on wooden desk

Häufige Fragen zu Paracetamol in der Schwangerschaft

Über den Autor

Dr. med. Marcus Fischdick

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.

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