Schwangerschaft 27. Juni 2026 Dr. med. Marcus Fischdick

Schwanger bei über 40 Grad? So schützen Sie sich und Ihr Baby

Die aktuellen Temperaturen bringen viele Menschen an ihre Belastungsgrenze. Für Schwangere gilt das ganz besonders. Der Körper arbeitet während einer Schwangerschaft ohnehin auf Hochtouren. Kommt dann eine Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 oder sogar 40 Grad hinzu, steigt die Belastung für Kreislauf, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System deutlich an.

Als Frauenarzt empfehle ich meinen Patientinnen deshalb, heiße Tage nicht zu unterschätzen. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie Ihren Körper entlasten und gleichzeitig Ihrem Baby etwas Gutes tun.

Warum Hitze in der Schwangerschaft belastender ist

Während der Schwangerschaft erhöht sich das Blutvolumen erheblich. Gleichzeitig arbeitet das Herz schneller und der Flüssigkeitsbedarf steigt deutlich an. Hohe Außentemperaturen können deshalb schneller zu Beschwerden führen als außerhalb einer Schwangerschaft.

Typische Symptome sind:

  • Schwindel
  • Kreislaufprobleme
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • geschwollene Hände und Füße
  • Wassereinlagerungen
  • Erschöpfung

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen außerdem, dass längere Hitzeperioden in den letzten Schwangerschaftswochen mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten verbunden sein können. Umso wichtiger ist es, den Körper bei großer Hitze möglichst wenig zusätzlich zu belasten.

Meiden Sie die größte Hitze des Tages

Mein wichtigster Rat lautet:

Vermeiden Sie die direkte Mittagssonne.

Zwischen etwa 11 und 18 Uhr erreichen Sonneneinstrahlung und Temperaturen meist ihren Höhepunkt. Wenn möglich, bleiben Sie während dieser Zeit in kühlen Innenräumen oder zumindest im Schatten.

Auch körperliche Anstrengungen sollten Sie möglichst auf den frühen Morgen oder den Abend verschieben.

Ausreichend trinken – jetzt wichtiger denn je

Mit steigenden Temperaturen verliert der Körper deutlich mehr Flüssigkeit durch das Schwitzen.

Für gesunde Schwangere sind im Sommer häufig zwei bis drei Liter Flüssigkeit täglich sinnvoll. Bei sehr hohen Temperaturen oder stärkerem Schwitzen kann der individuelle Bedarf auch höher liegen.

Besonders geeignet

  • • Wasser
  • • Mineralwasser
  • • ungesüßte Kräutertees
  • • Früchtetees
  • • Wasser mit Minze, Gurke oder Zitronenscheiben

Weniger geeignet

  • • stark gezuckerte Softdrinks
  • • Limonaden
  • • Energydrinks
  • • größere Mengen Fruchtsaft

Ein einfacher Hinweis: Wenn der Urin dunkel wird, kann das bereits auf einen Flüssigkeitsmangel hindeuten.

Leichte Ernährung entlastet den Kreislauf

An heißen Tagen arbeitet auch die Verdauung langsamer. Deshalb empfehle ich eher mehrere kleine Mahlzeiten als wenige große Portionen.

Gut geeignet sind beispielsweise:

  • frisches Gemüse
  • wasserreiches Obst wie Wassermelone
  • Vollkornprodukte
  • eiweißreiche Lebensmittel
  • Joghurt oder Quark (gekühlt und hygienisch gelagert)

Verzichten sollten Schwangere weiterhin auf: rohes Fleisch, rohen Fisch (z. B. Sushi), rohe Eier, nicht ausreichend erhitzte Lebensmittel und Alkohol. Diese Empfehlungen gelten unabhängig von den Außentemperaturen.

Schwere Beine und Wassereinlagerungen lindern

Gerade im Sommer leiden viele Schwangere unter geschwollenen Beinen, Füßen oder Händen.

Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Beine regelmäßig hochlagern
  • kurze Spaziergänge
  • Fußgymnastik
  • Wadenbewegungen
  • ausreichend trinken
  • bequeme Schuhe tragen

Bei stärkeren Beschwerden oder einer Neigung zu Krampfadern können ärztlich verordnete Kompressionsstrümpfe sinnvoll sein.

Bewegung bleibt wichtig – aber zur richtigen Zeit

Schwangerschaft bedeutet nicht automatisch Schonung.

Moderate Bewegung unterstützt den Kreislauf, verbessert das Wohlbefinden und kann Wassereinlagerungen reduzieren.

Ideal sind:

  • Spaziergänge am frühen Morgen
  • Spaziergänge am Abend
  • Schwimmen
  • Aquafitness für Schwangere
  • leichte Gymnastik

Besonders Schwimmen ist im Sommer hervorragend geeignet. Das Wasser entlastet Gelenke und Bänder, verbessert die Durchblutung und sorgt gleichzeitig für angenehme Abkühlung.

So können Sie Ihren Körper zwischendurch schnell abkühlen

Oft helfen schon kleine Maßnahmen:

  • lauwarm duschen
  • kühle Tücher auf Stirn oder Nacken
  • kaltes Wasser über Unterarme laufen lassen
  • ein lauwarmes Fußbad
  • Ventilator oder Klimaanlage sinnvoll nutzen (ohne Zugluft)

Eiskalte Duschen oder Eisbäder empfehle ich dagegen nicht, da sie den Kreislauf zusätzlich belasten können.

Wann Sie bei Hitze unbedingt ärztliche Hilfe suchen sollten

Bitte wenden Sie sich umgehend an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt beziehungsweise an eine Klinik, wenn folgende Beschwerden auftreten:

  • starke Kreislaufprobleme
  • Ohnmacht
  • regelmäßige Wehen
  • Blutungen
  • verminderte Kindsbewegungen
  • starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen
  • anhaltendes Erbrechen

Diese Beschwerden sollten unabhängig von der Außentemperatur immer ärztlich abgeklärt werden.

Mein Rat als Frauenarzt

Hitze lässt sich nicht vermeiden – ihre Auswirkungen aber häufig schon.

Gerade jetzt, wo vielerorts Temperaturen von deutlich über 35 Grad gemessen werden, sollten Schwangere besonders gut auf ihren Körper hören. Gönnen Sie sich Pausen, trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie die Mittagshitze und scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheiten Kontakt zu Ihrer Frauenarztpraxis aufzunehmen.

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Trotzdem arbeitet Ihr Körper in diesen Monaten täglich auf Höchstleistung. Gerade deshalb verdient er an besonders heißen Tagen etwas mehr Aufmerksamkeit.

Häufige Fragen zur Hitze in der Schwangerschaft

Über den Autor

Dr. med. Marcus Fischdick

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.

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