Die aktuellen Temperaturen bringen viele Menschen an ihre Belastungsgrenze. Für Schwangere gilt das ganz besonders. Der Körper arbeitet während einer Schwangerschaft ohnehin auf Hochtouren. Kommt dann eine Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 oder sogar 40 Grad hinzu, steigt die Belastung für Kreislauf, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System deutlich an.
Als Frauenarzt empfehle ich meinen Patientinnen deshalb, heiße Tage nicht zu unterschätzen. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie Ihren Körper entlasten und gleichzeitig Ihrem Baby etwas Gutes tun.
Während der Schwangerschaft erhöht sich das Blutvolumen erheblich. Gleichzeitig arbeitet das Herz schneller und der Flüssigkeitsbedarf steigt deutlich an. Hohe Außentemperaturen können deshalb schneller zu Beschwerden führen als außerhalb einer Schwangerschaft.
Typische Symptome sind:
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen außerdem, dass längere Hitzeperioden in den letzten Schwangerschaftswochen mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten verbunden sein können. Umso wichtiger ist es, den Körper bei großer Hitze möglichst wenig zusätzlich zu belasten.
Mein wichtigster Rat lautet:
Vermeiden Sie die direkte Mittagssonne.
Zwischen etwa 11 und 18 Uhr erreichen Sonneneinstrahlung und Temperaturen meist ihren Höhepunkt. Wenn möglich, bleiben Sie während dieser Zeit in kühlen Innenräumen oder zumindest im Schatten.
Auch körperliche Anstrengungen sollten Sie möglichst auf den frühen Morgen oder den Abend verschieben.
Mit steigenden Temperaturen verliert der Körper deutlich mehr Flüssigkeit durch das Schwitzen.
Für gesunde Schwangere sind im Sommer häufig zwei bis drei Liter Flüssigkeit täglich sinnvoll. Bei sehr hohen Temperaturen oder stärkerem Schwitzen kann der individuelle Bedarf auch höher liegen.
Besonders geeignet
Weniger geeignet
Ein einfacher Hinweis: Wenn der Urin dunkel wird, kann das bereits auf einen Flüssigkeitsmangel hindeuten.
An heißen Tagen arbeitet auch die Verdauung langsamer. Deshalb empfehle ich eher mehrere kleine Mahlzeiten als wenige große Portionen.
Gut geeignet sind beispielsweise:
Verzichten sollten Schwangere weiterhin auf: rohes Fleisch, rohen Fisch (z. B. Sushi), rohe Eier, nicht ausreichend erhitzte Lebensmittel und Alkohol. Diese Empfehlungen gelten unabhängig von den Außentemperaturen.
Gerade im Sommer leiden viele Schwangere unter geschwollenen Beinen, Füßen oder Händen.
Folgende Maßnahmen können helfen:
Bei stärkeren Beschwerden oder einer Neigung zu Krampfadern können ärztlich verordnete Kompressionsstrümpfe sinnvoll sein.
Schwangerschaft bedeutet nicht automatisch Schonung.
Moderate Bewegung unterstützt den Kreislauf, verbessert das Wohlbefinden und kann Wassereinlagerungen reduzieren.
Ideal sind:
Besonders Schwimmen ist im Sommer hervorragend geeignet. Das Wasser entlastet Gelenke und Bänder, verbessert die Durchblutung und sorgt gleichzeitig für angenehme Abkühlung.
Oft helfen schon kleine Maßnahmen:
Eiskalte Duschen oder Eisbäder empfehle ich dagegen nicht, da sie den Kreislauf zusätzlich belasten können.
Bitte wenden Sie sich umgehend an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt beziehungsweise an eine Klinik, wenn folgende Beschwerden auftreten:
Diese Beschwerden sollten unabhängig von der Außentemperatur immer ärztlich abgeklärt werden.
Hitze lässt sich nicht vermeiden – ihre Auswirkungen aber häufig schon.
Gerade jetzt, wo vielerorts Temperaturen von deutlich über 35 Grad gemessen werden, sollten Schwangere besonders gut auf ihren Körper hören. Gönnen Sie sich Pausen, trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie die Mittagshitze und scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheiten Kontakt zu Ihrer Frauenarztpraxis aufzunehmen.
Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Trotzdem arbeitet Ihr Körper in diesen Monaten täglich auf Höchstleistung. Gerade deshalb verdient er an besonders heißen Tagen etwas mehr Aufmerksamkeit.
Für gesunde Schwangere sind im Sommer meist zwei bis drei Liter täglich sinnvoll. Der individuelle Bedarf kann bei großer Hitze höher sein.
Ja, aber möglichst nur morgens oder abends und nicht in der direkten Mittagssonne.
Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ist Schwimmen meist sogar besonders empfehlenswert. Im Einzelfall entscheidet jedoch Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt.
Extreme Hitze belastet den mütterlichen Kreislauf. Studien weisen darauf hin, dass längere Hitzeperioden insbesondere in den letzten Schwangerschaftswochen das Risiko für Frühgeburten erhöhen können. Deshalb ist ein guter Hitzeschutz besonders wichtig.
Über den Autor
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.
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