Blasenentzündungen gehören zu den häufigsten Infektionen bei Frauen. Besonders belastend wird es, wenn die Beschwerden immer wieder auftreten. Viele Patientinnen berichten mir, dass sie kaum eine Blasenentzündung überstanden haben, bevor bereits die nächste beginnt.
In den vergangenen Jahren wurde deshalb intensiv nach Möglichkeiten gesucht, Rückfälle zu verhindern – möglichst ohne einen häufigen Einsatz von Antibiotika. Eine aktuelle Studie liefert hierzu interessante Ergebnisse und rückt zwei bekannte Heilpflanzen wieder stärker in den Fokus.
Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie deutlich häufiger von Harnwegsinfektionen betroffen als Männer. Die Harnröhre ist kürzer, wodurch Bakterien leichter in die Harnblase gelangen können.
Zu den bekannten Risikofaktoren gehören unter anderem:
Besonders problematisch sind wiederkehrende Blasenentzündungen. Medizinisch spricht man davon, wenn innerhalb von sechs Monaten mindestens zwei oder innerhalb eines Jahres mindestens drei Infektionen auftreten.
Antibiotika bleiben bei einer bakteriellen Blasenentzündung häufig notwendig und können Beschwerden rasch lindern.
Allerdings sehe ich in meiner täglichen Arbeit auch die Kehrseite. Frauen mit immer wiederkehrenden Infektionen benötigen teilweise mehrfach pro Jahr Antibiotika. Dadurch steigt langfristig das Risiko für resistente Keime. Gleichzeitig verändert sich die natürliche Bakterienflora, was wiederum neue Infektionen begünstigen kann.
Deshalb beschäftigt sich die Forschung zunehmend mit Möglichkeiten, Rückfälle zu vermeiden, bevor erneut Antibiotika erforderlich werden.
Eine aktuelle Studie mit mehr als 200 Teilnehmerinnen untersuchte eine Kombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettich zur Vorbeugung wiederkehrender Blasenentzündungen.
Das Ergebnis war bemerkenswert:
Placebogruppe
~40 %entwickelten erneut eine Blasenentzündung
Behandlungsgruppe
~26 %entwickelten erneut eine Blasenentzündung
Die Forschenden führen diesen Effekt auf die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften der enthaltenen Pflanzenstoffe zurück.
Aus meiner Sicht sind diese Ergebnisse interessant und durchaus vielversprechend. Gleichzeitig sollte man sie richtig einordnen.
Die Studie zeigt nicht, dass Kapuzinerkresse oder Meerrettich eine akute Blasenentzündung ersetzen oder Antibiotika überflüssig machen. Vielmehr geht es um die Frage, wie sich Rückfälle möglicherweise reduzieren lassen.
Gerade Frauen, die immer wieder unter Harnwegsinfektionen leiden, könnten künftig von solchen ergänzenden Strategien profitieren.
Die Vorbeugung wiederkehrender Blasenentzündungen besteht selten aus nur einer einzelnen Maßnahme.
Je nach Situation können unter anderem sinnvoll sein:
Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt immer von der Ursache der wiederkehrenden Infektionen ab.
Nicht jede Blasenentzündung verläuft gleich.
Eine ärztliche Untersuchung ist besonders wichtig bei:
Dann sollte immer geklärt werden, ob möglicherweise eine Nierenbeteiligung oder eine andere Ursache vorliegt.
Ich begrüße jede wissenschaftlich gut durchgeführte Studie, die neue Möglichkeiten zur Vorbeugung wiederkehrender Blasenentzündungen untersucht.
Die Kombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettich zeigt interessante Ergebnisse und könnte künftig für viele Patientinnen eine sinnvolle ergänzende Option sein.
Gleichzeitig gilt aber auch: Wiederkehrende Blasenentzündungen sollten nicht allein in Eigenregie behandelt werden. Hinter häufigen Infektionen können hormonelle Veränderungen, anatomische Ursachen oder andere Erkrankungen stecken, die gezielt untersucht werden sollten.
Deshalb empfehle ich Frauen mit wiederkehrenden Beschwerden immer eine individuelle frauenärztliche Abklärung. So lässt sich gemeinsam entscheiden, welche Vorbeugung und welche Behandlung im persönlichen Fall sinnvoll sind.
Bei einer akuten bakteriellen Blasenentzündung in der Regel nicht. Sie können jedoch möglicherweise zur Vorbeugung von Rückfällen beitragen.
Eine aktuelle Studie zeigt eine deutliche Verringerung des Rückfallrisikos. Weitere Untersuchungen werden zeigen, welchen Stellenwert diese Therapie langfristig erhält.
Bei starken Schmerzen, Fieber, Blut im Urin, in der Schwangerschaft oder wenn die Beschwerden immer wieder auftreten.
Die Ursachen sind unterschiedlich und reichen von anatomischen Besonderheiten über hormonelle Veränderungen bis hin zu individuellen Risikofaktoren. Eine gezielte Abklärung hilft, die passende Behandlung zu finden.
Über den Autor
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. In meiner Privatpraxis in Wilhelmshorst bei Potsdam nehme ich mir Zeit für Ihre individuellen Anliegen – persönlich, diskret und auf Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse.
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